Mittsommernacht, ein Traum

21.06.2012, gepostet von Ute Woltron,
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Das erste Johanniskraut kam vor Jahren angeflogen. Wahrscheinlich mit einem Vogel, oder mit dem Wind. Vielleicht brachten es aber auch die Waldameisen als Proviant in Form eines Johanniskrautsamens mit, als sie sich hier niederließen. Dann vergaßen sie ihn offenbar. Er keimte und trieb eine schöne große Pflanze. Die stand selbstverständlich genau dort, wo man sie am wenigsten brauchen konnte, nämlich mitten im Weg. Jö schau, sagt man sich dann, das vielgerühmte Kraut des Lichtes und der Freude hat sich ausgerechnet meinen Garten als Heimstatt ausgesucht. Andere streifen auf der Suche nach ihm durch Felder und Flure oder kaufen seine getrockneten Reste und extrahierten Auszüge in der Apotheke, und hier wächst es frei Haus. Es darf stehen bleiben. Man kann ja auch kleine Umwege tun. Ein gerader Weg ist sowieso nur eine Idee, und nicht immer soll man stur auf allen selbstauferlegten Pfaden trampeln.

Das Johanniskraut in den Garten zu holen ist einfach: Ernten Sie im Spätsommer ein paar wilde Samen und streuen Sie sie an eher trockenen, nicht gedüngten Stellen aus. Es sucht sich seinen Platz. Wo es keimt, belassen Sie es, denn es will nicht verpflanzt werden. Und wenn Sie Glühwürmchen beobachten wollen, von denen es heuer beglückend viele gibt, spritzen Sie niemals, ich wiederhole, niemals irgendwelche Pestizide.