Wenn man tot sein will

14.04.2016,
  • /
  • schreibt

Manchmal lässt sich nicht vermeiden, dass es die Leute mitkriegen: „Ach, Sie haben Migräne! Sie Arme. Brauchen Sie ein Aspirin?“ Nein, danke, sagt man dann mit gequälter Freundlichkeit wieder einmal, weil es ja wirklich lieb gemeint ist – und weil es unhöflich wäre, würde man aussprechen, was man in solchen Fällen über die Jahre zu denken gelernt hat: „Könnt ihr mir – bitte – endlich irgendwann vom Leib bleiben mit euren lächerlichen Kopfwehpulvern? Ich habe Migräne, kein Kopfweh, und selbst ein Dutzend sofort eingeworfener Aspirin oder anderer Kopfwehmittel hätte denselben Effekt wie zwölf sorgfältig gekaute Gummibärchen, nämlich genau keinen.“

 

Wir reißen uns also zusammen, denn wie kommen denn die anderen dazu, dass wir sie in unserer Pein auch noch anpflaumen? Woher sollen die denn wissen, wie das ist, wenn sich die Ratte Migräne wieder einmal festbeißt im Hirn, sodass alle Sinne durcheinanderkommen, das Riechen, das Sehen, das Hören? Wie soll man erklären, dass der Schmerz im Kopf nur die Begleiterscheinung eines abscheulichen Gesamtkörperzustands ist, der dich im schlimmsten Fall so lahmlegt, dass dir die Sinne schwinden und du dich in der Notaufnahme, am Tropf hängend, wiederfindest?

 

Gar nicht. Keiner, der das nicht in vollem Ausmaß erlebt hat, hat auch nur die geringste Ahnung davon. Die ohne Migräne – das werden im Laufe der Jahre die „Anderen“. Irgendwann bemerkt man, dass die in immer weitere Ferne rücken. Weil man sich selbst zurückzieht. Weil die ohne Migräne nicht dorthin mitkönnen. Niemand sollte es ihnen verdenken.

 

Migräne ist ein Alptraum. Einer, der immer wieder kommt und der offenbar nie enden will. Einer, mit dem man letztlich völlig allein ist. Na gut und schön, werden Sie zu Recht sagen, andere Leute sind unheilbar krank, und an Migräne ist noch keiner gestorben, also jammern Sie hier nicht herum. Stimmt. Das ist die gute Nachricht. Die sagt man sich jahrelang auch immer wieder vor. Außerdem geht es geschätzten drei bis fünf Prozent meiner Mitmenschen ähnlich. Die haben ebenfalls nicht nur zwei, drei Mal pro Monat „Kopfweh“, sondern mehr als die Hälfte aller Tage. Genau davon ist hier die Rede – von einem Dauerzustand und nicht von punktuellen üblen Anfällen, die man wegstecken kann, weil dazwischen immer wieder Zeit ist, normal zu leben. Was für ein Luxus übrigens. Ein paar Tage ganz ohne Migräne sind traumhaft. Man glaubt dann schon, man sei geheilt.

 

Nur nicht wehleidig werden, sagt man sich in den schwierigeren Phasen immer wieder vor, noch keiner ist davon gestorben! Ja. Eh. Aber irgendwann, nach Jahren, nach ungezählten wochenlangen Phasen des Schmerzes, des Kotzens und des Elendfühlens erreicht auch der optimistischste Mensch den Moment, in dem man überlegt, wie das so wäre, gestorben und tot, und es kommt einem gar nicht mehr so schlecht vor im Vergleich.

Ab dann muss man aufpassen. Ab dann hat man einen langen, mühsamen Weg hinter sich und ist an einem entscheidenden Punkt angelangt: an der Stelle, an der Kraft und Frohsinn aufgebraucht sind. Von heute auf morgen wird der Mensch nicht lebensmüde. Der Mensch hält viel aus. Jedenfalls viel mehr, als er denkt, wenn alles in Ordnung ist. Nach fast 30 Jahren Dauermigräne darf man das feststellen. Da hat man dann genug Zeit damit verbracht, in allen Abgründen seines Leibes und seiner Seele herumzukriechen, immer auf der vergeblichen Suche nach der Antwort auf ein und dieselbe Frage: Warum? Und warum ich?!

 

Die Schulmedizin kennt, wenn sie ehrlich ist, die Antwort darauf auch nicht. Jedenfalls nicht genau. Doch der größte Teil der Ärzteschaft gibt das selbstredend ungern zu. Die erstaunlich wenigen Neurologen und Ärztekollegen, die sich ernsthaft mit dem Thema befassen, schauen dich traurig an, wenn du die Frage aller Fragen stellst. Warum zum Teufel hat man das? Die antworten dann mit einer Gegenfrage: „Pech?“ Es gibt eine genetische Disposition zur Migräne, doch nicht bei jedem, der die hat, bricht sie auch aus. Warum sie aber bei den einen kommt, bei den „Anderen“ nicht, das wissen wir nicht.

 

Solche Neurologen sind meine Freunde. Die sprechen meine Sprache. Denen vertraue ich. Doch sie sind selten, und es hat ungefähr 25 Jahre gedauert, um einen solchen zu finden. Gepriesen sei er, denn er versteht mich, ohne mich ständig zu bevormunden. Die „Anderen“ unter den Neurologen sind nicht meine Freunde, die verstehen offensichtlich nicht, und ab diesem Moment wird es mühsam. Denn obwohl mittlerweile nachgewiesen ist, dass es genetische Grundlagen gibt, macht die Migräne wie kaum ein zweites Leiden ein weites Feld für Psychospekulationen und Bevormundung aller Art auf. Die ganze Welt beginnt dich zu psychologisieren. Auf Dauer kann dich allein das schon krank machen. Das ewige Analysiertwerden durch die „Anderen“ – das ist eine der am schwierigsten zu verkraftenden Begleiterscheinungen des chronischen Schmerzes. Jedenfalls für mich.

 

Ich bin kein arroganter Depp. Ich lasse mir durchaus Dinge sagen. Die Migräne ist eine Krankheit, die dich nachgerade dazu zwingt, tief in die eigenen Abgründe zu kriechen und zu analysieren, wie das alles so ist mit dir selbst. Das ist nicht immer lustig. Aber es ist eine gute Übung. Das eigene und das anerzogene Wertesystem, vermeintliche Schwächen und Stärken kommen auf den Prüfstand. Immer wieder. Alles wird hinterfragt. Bin ich zu ehrgeizig? Zu hektisch? Verlange ich mir zu viel ab? Zwingt mich der eigene Lebenswandel in die Knie, sodass ich, wie manche behaupten, durch die Migräne ein Ventil benötige, um Druck abzulassen? Bin ich wirklich selber schuld daran?

Die „Anderen“ tun sich leichter. Die scheinen immer alle noch viel besser zu wissen, was man falsch macht in seinem Leben und warum man dafür unweigerlich mit Migräne bestraft wird. Das katholische Buße-tun-Müssen steckt offenbar noch tief in uns allen. Irgendetwas muss ja schuld sein, und das beginnt mit der als Gewissheit erachteten Meinung, dass Leiden, die im Kopf ihren Ausgang nehmen, auch dort ihren Ursprung haben. Der Kopf, das Gehirn, das Denken und die Psyche. Da haben wir's ja schon. Die Wurzel des Übels steckt hier vergraben, es kann ja gar nicht anders sein.

 

In deiner Kindheit, so sagen dir Ärzte auf deinen erledigten Kopf zu, müsse etwas passiert sein. Etwas, das „aufgearbeitet“ gehöre. Eigentlich kommt man nur in die Ordination, um ein Rezept für Migränepillen abzuholen, nicht um die Kindheit aufzuarbeiten. Meine Kindheit, war sie wirklich so wunderbar, wie ich sie in Erinnerung habe? Ja, eigentlich schon. Die Neurologin empfiehlt dennoch, eine Therapie in Angriff zu nehmen, eine Analyse. Ein anderer meint: „Nach dem ersten Kind wird sich das legen.“ Leider, Fehldiagnose. Das Kind kam, die Migräne blieb. Ein dritter erklärt: „Sie müssen erst wieder lernen, ohne Migräne zu leben.“ Ja, gerne, aber wie? Das sei die Frage, die alle stellten, meint er. Und wie lautet die Antwort? Das müsse man eben selbst herausfinden: „Sie können sich gar nicht mehr vorstellen, ohne Migräne zu leben!“ Ich habe gelernt, sehr sorgfältig über derlei Äußerungen nachzudenken. In diesem Fall komme ich wieder zu dem Schluss: Es stimmt nicht. Ich kann mir so dermaßen gut vorstellen, ohne Migräne zu leben, das sprengt möglicherweise die Vorstellungskraft der „Anderen“.

 

Die unselige Psychologisiererei ist einer der Hauptgründe dafür, warum viele von uns nach Möglichkeit verschweigen, dass sie Migräne haben. Weil Migräne echt unsexy ist. Weil, wie ein Neurologe sagt, „noch immer die Akzeptanz sowohl unter vielen Ärzten als auch bei den Mitmenschen fehlt, dass Migräne eine ernsthafte Erkrankung ist“. Weil unterschwellig doch immer feststeht, dass wir selbst schuld sind am eigenen Elend. Weil wir uns ständig anhören müssen, wir hätten zu viel Stress, wir würden zu viel denken, wir könnten nicht abschalten, was selbstredend zu Verspannungen und damit zu Migräne führe. Oder, esoterischer: Weil wir schlechte Erfahrungen im Körper gespeichert hätten, und der gespeicherte Schmerz blockiere jetzt so manches und äußere sich eben in „Kopfweh“.

Man sei ein richtiger „Migränetyp“, wird sowohl von den Mühsamen unter den Neurologen als auch von der Laienpsychologie konstatiert. Aha, tatsächlich? Wie sind wir denn, wir Migränetypen? Blöde Frage, das weiß doch jeder: Das sind die Ehrgeizigen, diejenigen, die immer alles richtig machen wollen, die sich nie entspannen können, die Getriebenen, die Perfektionisten, die Leute, die an sich zu hohe Ansprüche stellen. Schwachsinn, ist man irgendwann dann versucht zu schreien. Seht her, wie ich mich selbst aus diesem geisteskranken Taumel, in dem sich unsere Welt befindet, herausgenommen habe. Wie ich den Stress eliminiert und die Fremdgesteuertheit abgeschafft habe. Schaut in meinen chaotischen Kleiderkasten! Betrachtet meinen komplett entspannten Schreibtisch. Seht mich stundenlang glücklich faulenzend herumliegen und in meinem Garten kramen.

 

So entspannt, wie ich bin, ist kaum wer. Ich kann an jedem Finger fünf, nein, zehn Leute abzählen, die stressiger und zwänglerischer, ungesünder und hektischer leben als ich. Ganz ohne Schmerz und Kotzen. Außerdem gibt es zig wandelnde Migräne-Gegenthesen in Dick und Phlegmatisch. Und überhaupt – mein Leben ist eigentlich super. Ich finde mich selbst ziemlich lässig. Ich bin zufrieden mit allem. Ich habe im Gegensatz zu vielen von euch, die ihr mich dauernd analysiert, mein Dasein ziemlich gut im Griff. Ich habe aber trotzdem Schädelweh ohne Ende. Und ich will eigentlich nicht mehr dauernd darüber nachdenken. Nein, heißt es dann verständnisvoll, man sei als Migränetyp eben in sich selbst gefangen und könne das Ausmaß der Selbstversklavung gar nicht abschätzen. Da beißt sich dann die Katze in den Schwanz, und man will nie wieder mit irgendjemandem darüber reden. Aus. Ende der Fremdanalyse. Und Ende der Bereitschaft, die guten Ratschläge der „Anderen“ anzunehmen.

Ich stelle mir manchmal mit heimlicher Freude vor, wie ich dereinst handgreiflich werde. Wie ich in einem Moment der Stärke wieder einmal von einem selbst ernannten Häuslpsychologen als „richtiger Migränetyp“ charakterisiert werde. Die Vorstellung befriedigt mich sehr. Ach ja, würde ich dann sagen, während ich meinen Gegner niederringe, ein echter Migränetyp also. Sind das nicht die, die nie die Beherrschung verlieren? Und was bin ich jetzt gerade? Meine Antithese?

 

Im Ernst: Kein Mensch würde je auf die Idee kommen, andere Kranke ständig nach ihren Kindheitstraumata oder etwaigen Sexualstörungen zu befragen, um daraus befriedigende Rückschlüsse über Krankheitsursachen zu finden. Wir hingegen müssen uns diesen ganzen Schwachsinn ununterbrochen gefallen lassen. Apropos Sex: Der wird ebenfalls als überaus beliebte Migräne-Ursache herangezogen, und zwar seine unbefriedigte Variante. Migräne, den Spruch kennt jede Frau, die darunter leidet, sei „der Orgasmus im Kopf“. Hört man auch von Ärzten, kein Witz. Ich kenne mindestens fünf weitere Migränegeplagte, die sich das ebenfalls anhören mussten. Erbring hier einmal den Gegenbeweis. Schwierig, was?

 

Alle weiteren Diagnoseansätze der Umwelt sind einfacher zu verkraften. Die gehen einem weniger nah: Nein, pflegt man gebetsmühlenartig zu wiederholen, ich habe weder eine Laktose- noch eine Histaminunverträglichkeit und auch keine Allergien. Und ja, alles wurde in diversen gut beleumundeten Labors nachgewiesen. Die Weisheitszähne sind gezogen, und selbstverständlich, auch alle alternativmedizinischen Versuche haben wir Migräniker nach ein paar Jahren durch. Bei manchen scheint das eine oder andere ja zu wirken. Ich kenne zwar keinen, der seine Migräne beispielsweise mit der viel gerühmten Akupunktur wegbekommen hat oder mit Schüsslersalzen oder mit Homöopathie oder durch traditionelle chinesische Medizin, auch nicht mit Psycho- oder Gesprächstherapien, aber man liest davon immer wieder. Man liest überhaupt Erstaunliches.

 

Gehen Sie viel spazieren an der frischen Luft. Machen Sie Druckausgleich in der Eustachischen Röhre. Trinken Sie Kaffee mit Zitrone. Essen Sie keine Schokolade, keinen Käse, keine Nüsse. Essen Sie kleine Mengen, fünfmal auf den Tag verteilt. Meiden Sie Lärm und Gestank. Ja, klar, auch Sinnvolles ist dabei, das tatsächlich jedem empfohlen werden kann – übrigens auch allen, die keine Migräne haben: Trinken Sie ausreichend. Essen Sie regelmäßig. Beginnen Sie mit Ausdauersport. Machen Sie autogenes Training oder Yoga.

 

Und das ist, wenn man schon einen Sinn finden will, das Gute an der Migräne: Du lernst große Behutsamkeit im Umgang mit dir selbst. Du fütterst dich mit guten, gesunden Dingen. Du schmierst die Maschine Körper mit dem Öl regelmäßiger Bewegung. Du übst, deinen Geist meditativ zur Ruhe zu legen, und bringst mit all dem einen erstaunlichen, überaus heilsamen Prozess in Gang. Du lernst, was Gelassenheit sein kann. Das alles ist sehr brauchbar, wenn man irgendwann einmal hauptsächlich mit sich selbst allein ist. Denn die Migräne bleibt. Der Kontakt zur Umwelt schwindet. Zu oft hat man Treffen abgesagt, hat die „Anderen“ vergrämt, hat sich schließlich gar nichts mehrausgemacht, weil die Wahrscheinlichkeit, wieder wegen dieser elenden Unpässlichkeit nicht mit den „Anderen“ mitzukönnen, größer war als umgekehrt. Und der Schädel pocht weiter, und man überlegt, was das überhaupt noch für ein Scheißleben ist.

Das ist dann also der Punkt, an dem die Kraft aufgebraucht ist. Während der wirklich schlimmen Phasen, in der sich die Ratte Migräne wochenlang im Organismus einnistet und gar nicht mehr abhauen will, wird die Welt rundherum farblos. Alles rückt in seltsam verzerrte Distanzen, alles verlangsamt sich, alles wird kalt. In dieser Welt aus Grau und Schwarz wandelt man zwar noch nicht direkt an den Ufern des Styx, denn wie gesagt,an Migräne ist noch keiner gestorben. Aber man ahnt bereits, wo sich die Ufer befinden, weil man, in extremen Momenten, tot sein will. An diesen Gestaden ist es einsam, kalt und finster. Dort gibt es keine Farbe mehr. Dort ist alles erstarrt und wie in Eis gegossen. Nur ganz wenige der „Anderen“ unterziehen sich der Mühe, dorthin tatsächlich auf Besuch zu kommen und ein bisschen Farbe und Wärme mitzubringen. Diese Leute merkt man sich gut. Die „Anderen“, die wegbleiben, auch. Die meiste Zeit ist man allein. Mit sich selbst in einer fremden, kalten Welt.

 

Den „Anderen“ darf man das nicht vorwerfen, obwohl man es insgeheim tut und damit die Distanz zu seinen Mitmenschen noch vergrößert. Man hat keine Lust mehr, sie zu sehen. Man wird ja doch wieder nur auf Psycho-Kack analysiert. Man wird beispielsweise allen Ernstes nach drei verdammten Jahrzehnten immer noch gefragt: Bist du sicher, dass das Migräne ist? Es gibt doch so viele Formen von „Kopfweh“. Ach, ihr Ahnungslosen. Wie wollen wir es denn sonst nennen, das Monster? Mir egal, sucht es euch aus. Aber lasst mich bitte in Ruhe. Es ist schon allein schwer genug.

 

Nachtrag: Wenn Sie unter Migräne leiden – geben Sie nicht auf. Suchen Sie sich einen guten Neurologen, eine Neurologin, die sich auf Migräne spezialisiert hat. Nur die können in Härtefällen wirklich helfen. Meiden Sie den Rest. Und zu den „Anderen“: Bitte fragen Sie mich nicht, ob ich eine Atlaskorrektur vorgenommen, meinen Spurenelementhaushalt kontrolliert, Homöopathie versucht oder eine Eigenurintherapie in Erwägung gezogen habe. Machen Sie lieber Yoga, gehen Sie laufen, essen Sie regelmäßig, erreichen Sie Ihr Normalgewicht, vermeiden Sie jeglichen Stress, kriegen Sie ein Kind, aber bitte mit Orgasmus an der richtigen Stelle und nicht im Kopf, bringen Sie überhaupt erst einmal Ihr Leben in totale Ordnung. Dann können wir unter Umständen weiterreden. Vorher nicht.

Erschienen in Die Presse, Spectrum

Definition
Migräne

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft definiert Migräne folgendermaßen: „Die Migräne ist eine idiopathische Erkrankung, die mit einer Prävalenz von ca. 10% (5% der männlichen und 15% der weiblichen Bevölkerung) weitgehend unabhängig vom ethnischem und sozialem Hintergrund in der ganzen Welt auftritt. Gesichert ist eine genetische Veranlagung, die für einige besondere Formen der Migräne bereits bis hin zum Mutationsdefekt identifiziert ist. Auf Grundlage dieser Veranlagung kommt es durch Trigger zu Attacken, bei denen Kopfschmerzen im Vordergrund stehen, die immer auch von vegetativen Symptomen begleitet sind und bei einigen (ca. 10% der Fälle) auch mit fokalneurologischen Symptomen einhergehen (sogenannte Aura). Migräne ist insofern eine lebenslange Erkrankung, die aber den Schwerpunkt ihrer Manifestation zwischen dem 25. und dem 45. Lebensjahr hat.“