Zweibeinige Nusshäher im Anflug

22.09.2012,
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Für unsereiner mag das Jahr 1867 tief im Schlund der Vergangenheit ruhen. Doch bei genauerer Überlegung ist die Zeitendistanz gar nicht so groß. Was sind schon 145 Jahre? Für einen Nussbaum bedeuten sie weniger als seine Lebensspanne. Vor exakt 145 Jahren wurde in Kalifornien die erste Walnussplantage angelegt. Heute stammen zwei Drittel aller weltweit verzehrten Walnüsse aus dieser sonnigen Gegend, und wenn jetzt in den Backwarenabteilungen der Supermärkte langsam wieder Walnüsse auftauchen, dann sind es meistens kalifornische.


Zeitgleich werden sie hierzulande gerade reif und fallen von den Bäumen. Der Weg der Walnusskerne von der Nussbaumwiese bis ins Backrohr ist arbeitsreich, und mein Verständnis für diejenigen, die lieber zu den so praktisch ausgelösten und säuberlich in Zellophan verpackten Kernen greifen, ist groß. Trotzdem wird hier jetzt der herbstlichen Nussernte gehuldigt, denn die hat auch ihren Reiz.


Zuerst zum Baum selbst. Der ist ein echter Kerl unter den Bäumen, eine Persönlichkeit besonderer Art. Ein Nussbaum steht, wo immer er steht, für sich. Er ist groß und mächtig und duldet neben sich nichts anderes. Er schickt chemische Botenstoffe aus, die andere Pflanzen am Wachstum hindern und sichert sich so seine Privatsphäre. Alles an der Nuss ist kostbar: Das Holz zählt zum Besten, was in der Tischlerei Verwendung findet. Die grünen Nüsse enthalten mehr Vitamin C als die meisten anderen Früchte. Die Nusskerne sind seit Jahrtausenden nicht nur eines der wichtigsten Lebensmittel der Menschheit, sondern haben auch gesundheitliche Talente, über die Mediziner und diätwissenschaftlich Bewanderte ins Schwärmen geraten. Aus Blättern, Rinde und den Schalen der Nüsse gewann man seit jeher Farben und Beizen. Womit wir bei einem der traditionell lästigsten Aspekte der Nussernte wären: