Ein Überraschungsgast hat sich im Garten am Wegesrand angesiedelt. Er ist hoch aufgeschossen und blüht zurzeit leuchtend und Gelb. Er wird in ein paar Wochen große Pusteblumen bilden, und das darf er auch ruhig tun. Streu deine Samen aus, du Schöner, denn es wird mir eine Freude sein, dich künftig öfter in meinen wilden Beeten zu begrüßen. Die gelben Blüten des Wiesen-Bocksbarts, Tragopogon pratensis, ähneln nur auf den ersten Blick den Löwenzahnblüten.

Die wilde Wiesenpflanze ist deutlich größer, sie streckt sich bis zu 70 Zentimeter in die Höhe und trägt die schönsten Laublocken, die man sich vorstellen kann. Auch ist der Korbblütler im Gegensatz zum ausdauernden, vitalen Löwenzahn ein eher flüchtiger Gast. Er ist lediglich zweijährig, und sobald er Blüten getragen hat, geht er schon wieder dahin. Man muss sich also nicht vor Invasionen a la Löwenzahn fürchten, sondern darf ihn da und dort erfreut wachsen lassen.

Leicht verwechseln kann man ihn auch mit dem Wiesen-Pippau, der ebenfalls hübsch, jedoch lange nicht so elegant belaubt ist. Wenn man sich in die Geometrien der Blätter, der Blüten und der Knospen versenkt hat, sind die beiden sofort zu unterscheiden.

Der Bocksbart trägt auffällig spitze Blütenknospen. Sind sie abgeblüht, stehen kurz bevor sie sich zu den Samenkugeln öffnen die welken Blütenblätter wie kleine Ziegenbärte hervor. Der Pippau hingegen hat kugelige Knospen und auch sein Laub ist, ähnlich dem des Löwenzahns, gezackt. Der Bocksbart hingegen trägt diese bezaubernden Blattlocken, die eine eingehende Betrachtung wert sind. Er blüht von Mai bis August, doch wer ihn bewundern will, muss am Vormittag unterwegs sein. In der Morgensonne blüht er auf, zu Mittag gehen die Blüten bereits wieder zu. Für die Bestäubung sorgen vor allem Fliegen und Käfer. Außerdem kann die gesamte Pflanze inklusive Wurzeln gegessen werden.