Der Gelbe Steinklee Melilotus officinalis ist auf den ersten Blick keine ausgesuchte Grazie. Er ist vielmehr ein struppiges, bis zu eineinhalb Meter hohes Gewächs, das, wie man salopp sagen könnte, hauptsächlich auf Gstettn wächst, auf unlängst aufgebrochenen Böden, jedenfalls an Stellen, die trocken, heiß und karg sind. Ruderalflur nennt das die Fachwelt, und die besiedelt der Steinklee als Rohbodenpionier besonders gern. Er braucht nicht viel, um zu gedeihen, lediglich Kalkboden und trockene Wärme. Seine Wurzeln reichen metertief, und, wie es sich für einen Klee gehört, veredelt er das Erdreich mit Stickstoff.
Oben sitzen an langen, ährigen Blütenständen seine kleinen, zitronengelben Schmetterlingsblüten, und auch die sind in vielerlei Hinsicht eine Kostbarkeit. Die Steinkleeblüten sind zum einen prall gefüllt mit Nektar und Pollen, zum anderen sind sie so winzig, dass auch die Kurzrüsseligen unter den Insekten begehrlich herbeieilen, um ein Festmahl zu begehen. Auch die Imker schätzen die Pflanze sehr, denn sie labt einerseits die Imme, steuert andererseits maßgeblich zum allseits beliebten Kleehonig bei, der bekanntlich eine besonders köstliche Spezialität ist.
Doch noch eine bestechende Eigenschaft zeichnet den wilden Wucheranten aus – sein großartiger Duft. Wer ihn erschnuppern und lange Freude daran haben will, schreitet hinaus und pflückt einen kleinen Steinklee-Strauß. Der macht optisch nicht sonderlich viel her, und er wird auch nicht in die Vase gesteckt, sondern zusammengebunden und zum Trocknen aufgehängt. Ab diesem Moment setzt die Verwandlung ein, und die erst geruchlosen Kleeblüten beginnen einen magischen Duft auszusenden. Der ist dem Kumarin zu verdanken, das in der Pflanze steckt. Der getrocknete Klee beduftet seine Umgebung mit dem Parfüm der Wiese und des Heus, und wenn der Regen kommt, die Luft feucht wird, verstärkt sich der Duft. Betörend!



