Kennt jemand die Wald-Pelzbiene? Die Frühe Ziest-Schlürfbiene, die Bergwald-Sandbiene oder den Nachtkerzen-Schwärmer? Sie alle, und noch viele Insekten mehr, fliegen besonders gern eine wilde Pflanze an, die derzeit dort, wo man sie lässt, in prächtigster Blüte steht: Der oft über einen halben Meter hohe, dunkellila Wiesensalbei ist eine Art Hoheit der Wiese und des Feldrains. Er ist unverwechselbar.
Ein robuster, borstiger Geselle mit metertiefer Wurzel, mit der er in mageren, trockenen, gerne kalkigen Gefilden Wasser und Nahrung aus dem kargen Boden zieht. Unter der Sonne verwandelt er all das in dunkellila Lippenblütenkonstrukte, die er mit viel Nektar füllt, um die Bestäuberinsekten anzulocken.
Vor allem Wildbienen, Hummeln und Schmetterlinge umsummen und umgaukeln ihn gern. Derzeit fliegt ihn beispielsweise der schwarzblau-cremeweiß gestreifte Russische Bär an, leicht zu erkennen an seinen knallorangen, schwarz getüpfelten
Hinterflügeln. Ein Prachtkerl von Schmetterling, doch leider gefährdet, wie so viele seiner Insekten- und Wildbienenkollegen.
Der Wiesensalbei ist eine jener Wildpflanzen, die man gern in wogender Masse im Garten hätte, weil sie gar so schön sind. Er blüht bis in den August, außerdem duften seine Blätter aromatisch, wie es sich für die Vertreter der Salvien gehört, allerdings schmecken sie bitter.
Die Pflanze streut sich aus, ist allerdings auch mehrjährig. Obwohl es sich um eine Wildstaude handelt, gibt es verschiedene Wiesensalbei-Sorten in Rosa, Himmelblau und Blau-Weiß zu kaufen, doch die schönste Variante ist wohl die wilde Dunkellila-Blütenorgie. In der freien Wildbahn streut der Salbei seine Samen ab Juli aus, was einmal mehr dazu anregen sollte, die Wiesen, die Raine, die wilden Zonen nicht zu früh abzumähen, wie das derzeit allerorten unverständlicherweise der Fall ist. Man sollte eine Rain- und Böschungs-Bewegung gründen. Wer ist dabei?
