Manchmal kann man Honigbienen sehen, die nicht die üblichen knallgelben Pollenhöschen tragen, sondern zart hellblau gefärbte. Wahrscheinlich waren sie bei einer der wenigen heimischen Pflanzen zu Besuch, deren Pollen blau gefärbt ist: Der Gewöhnliche Natternkopf Echium vulgare ist eine der besten Insektenweide überhaupt. Seine fast meterhohe knallblaue Blütenpracht steht sowohl bei Bienen als auch bei Schmetterlingen hoch im Kurs. Die zwei- mitunter auch mehrjährige Wildpflanze ist weit verbreitet und wächst an trockenen, unbedingt sonnigen Stellen. Sie bildet an für tauglich befundenen Standorten ganze Blütenmeere, in denen es nur so gaukelt und summt. Wie viele Raublattgewächse, deren Familie der Natternkopf neben dem Borretsch, der Ochsenzunge oder dem Beinwell angehört, bedient sich die Pflanze eines Tricks, um die Bestäubung zu lenken. Junge Blüten sind rosa, und nur diese sind nektarreich und verfügen über reife Staubblätter. Ältere Blüten hingegen verfärben sich blau,

was dazu führt, dass der Pollen fremder Blüten antransportiert wird. Wer etwa Lungenkraut im Garten hat, das sich nicht nur durch neckisch weiß getüpfelte Blätter auszeichnet, sondern auch durch eine erst rosa, später lila Blüte, und das ebenfalls zu den Raublattgewächsen zählt, kennt diesen Effekt.

Der Natternkopf wird am besten über Samen in den Garten geholt, wo er sich ausstreut und gern an kiesigen, trockenen Stellen ansiedelt, wo sonst kaum etwas wächst. Manche seiner exotischen Verwandten zählen zu den sensationellsten Gartenpflanzen, gedeihen jedoch leider nur in sehr mildem Klima. Der wahrscheinlich eindrucksvollste Vertreter ist der nicht winterharte Riesen-Natternkopf mit bis zu vier Meter hohen Blütenständen. Wer jetzt an Topfkultur denkt: Die ist leider chancenlos, Natternköpfe sind extreme Pfahlwurzler. Doch auch die kleinere heimische Art ziert jeden Garten und sorgt für reichlich Insektenleben.