Jeder Mensch verfügt über Talente und Schwächen, es ist eine Frage der Willenskraft die einen zu fördern, die anderen auszumerzen. Zumindest versuchen sollte man es, und das beginnt mit der Erkenntnis, worin man gut ist und wo man schwächelt. Ich zum Beispiel bin hervorragend darin, den Garten zu beschneiden. Herumschnippseln zählt zu einer meiner Lieblingsbeschäftigungen. Zu diesem Zweck stehen die herrlichsten Geräte bereit. Heckenscheren, Baumscheren, Kettensägen, Rebscherchen für die Feinarbeit und dergleichen mehr. Für jede Jahreszeit, für jede Schneidtätigkeit gibt es zum Glück die richtigen Werkzeuge.

Doch so beschaulich es ist, verblühte Rosen zu kappen, längst überwucherte Wege endlich wieder einmal freizuschneiden, den ins Gigantische wuchernden Weinstock zu disziplinieren und die Ligusterhecke in Form zu bringen, so schwer fällt es mir aus unerfindlichen Gründen, die dadurch entstehenden Gebirge von Grünmassen gleich nach der getanen Arbeit dort hinzubefördern, wohin sie gehören, nämlich auf die diversen Komposthaufen. Sagen Sie ruhig, was Sie denken: Sie ist zu faul dazu. Ja, das könnte stimmen.

Selbstverständlich stünden auch dafür diverse Hilfsmittel bereit, die unerlässlichen Scheibtruhen beispielsweise, oder die

großen grünen Gartensäcke in unter-schiedlichen Formaten. Je größer, so meine Meinung, desto besser. is zur Phase der Befüllung liege ich noch gut im Rennen, unterstützt vom ebenfalls unentbehrlichen Laubrechen, mit dem auch noch das kleinste Fizzelchen Abschnitt auf den Haufen gebürstet werden kann. Dann halte ich inne, blicke zufrieden um mich und betrachte die gesäuberte Umgebung. Allerorten stehen zwar pralle Säcke und volle Scheibtruhen herum, doch morgen, so denke ich unweigerlich, ist auch noch ein Tag, und ich schiebe alles beiseite und bin voller Vorsätze.

Ach, wie schnell doch die Tage vorüberhuschen! Zwischendurch kommt oft ein Regen und die vollen Gartensäcke werden noch schwerer, als sie ohnehin schon waren. Meine erwischt er fast immer, denn er hat ja Zeit dazu. Man wartet dann auf trockenere Phasen, die helfen werden, die Last zu mindern. In der Zwischenzeit beginnt alles zu gären. In den Scheibtruhen schäumt die Blattjauche auf, und von außen setzt die Sonne den offenbar keineswegs UV-tauglichen Kunststoffsäcken zu. Wer sie ständig draußen herumstehen lässt, darf sich nicht wundern, wenn sie eines Tages zerbröseln. Wie das vormalige Gras darunter ausschaut, darf man sich auch vorstellen, doch das ist meine geringste Sorte, es ist immer noch nachgewachsen.

Der Herbst allerdings setzt andere Standards. Mit ein paar Säcken und Scheibtruhen ist es jetzt nicht mehr getan. Die Laumassen sind überwältigend, und sie müssen zumindest von den ohnehin wenigen Wegen und Grasflächen weg, damit man sich zum einen fortbewegen kann, und damit zum anderen das Gras nicht über den Winter unter vereisten Blätterplatten erstickt. Die Faulheit im Herbst rächt sich bis zum Frühling.

Neulich blätterte ich in einem britischen Gartenmagazin, während draußen wieder einmal ein paar Säcke sich selbst überlassen herumstanden, und fand einen Beitrag über unerlässliche Werkzeuge, über die jeder Gartenmensch verfügen sollte. Neben den logischen Dingen, wie Scheren, Spaten, Rechen und so weiter wurde schon mit Nummer Drei ein Hilfsmittel gepriesen, mit dem ich mich möglicherweise selbst überlisten und die ewige Sackmisere beenden könnte. Es ist jedenfalls einen Versuch wert. Der Autor, selbst ein professioneller Gärtner, bekannte zu meiner großen Freude und Erleichterung, dass er jahrelang unter derselben Schwäche gelitten habe.

Ich bin also nicht allein mit meiner Unfähigkeit. Im säuberlichen Auftürmen der Abschnitte, so schrieb er, sei er stets freudig und hochprofessionell zugange gewesen, doch die Beseitigung habe er stets aufgeschoben, bis er endlich die beste Methode entdeckt und sich damit gewissermaßen selbst überlistet habe. Eine nicht zu große, etwa vier bis sechs Quadratmeter messende Plane sei das praktischste Tool für Unkrautzupfer und Schnippsler.

Man möge sie einfach aufbreiten, schrieb er, und alles draufwerfen oder rechen, was anfalle. So eine Plane wiegt so gut wie nichts und fasst außerordentlich viel. Man kann sie einfach an zwei Ecken packen und hinter sich herziehen oder, in Extremfällen, mittels eines Seils, das durch die Ösen an den Rändern gefädelt wurde, zusammenzurren. Noch ist alles Theorie, doch ich werde demnächst den ersten Versuch unternehmen. Das Laub färbt sich bereits, bald wird es fallen. Die Plane liegt schon bereit.


Herbstlaub.
Tatsächlich ist das abfallende Laub bekanntlich eine der besten Gaben des Herbstes, weil es sich bei genügend Feuchtigkeit über den Winter in Humus verwandelt.

Mulch.
In den Blumenbeeten dürfen die Blättermassen bis zu den ersten wärmeren Tagen des Jahres liegen bleiben. Sie halten den Boden feucht, schützen die Pflanzen und locken die Regenwürmer an, die den Boden lockern und düngen.

Werkzeug.
Es gibt sogenannte Laubgreifer für beide Hände, die das Einfüllen von Laub und Gartenabfällen wirklich vereinfachen. Vor allem für große Gärten ist dieses billige Hilfsmittel eine Empfehlung.