Überall riecht es derzeit lila und nach Frühling, und nach guter alter Kinderart empfiehlt es sich, warme trockene Tage zu nutzen und sich gelegentlich bäuchlings in die Wiese zu legen und die Nase in einen Veilchenteppich zu stecken. Die kleinen Zierlichkeiten blühen gerade reichlich, doch nur über ein paar flüchtige Wochen. Oder doch nicht? Nein, denn die Veilchenvielfalt ist groß. Es gibt zumindest 500 Arten und Unterarten weltweit. Hundsveilchen, Hornveilchen und Stiefmütterchen sind nur ein paar bekannte Vertreterinnen der anmutigen Gattung. Die duften allerdings kaum.

Doch für die Nase gibt es auch noch das sogenannte Pfingstveilchen und seine zahlreichen Kulturformen, und die sind ein Tipp für Veilchenliebhaber, wenn Sie die Duft-Saison über zwei, drei Monate die Länge ziehen wollen. Viola odorata, so der botanische Name der anspruchslosen und langlebigen Variante, ist ein bisschen größer und aufregender gemustert als das gewöhnliche Veilchen, und es blüht vor allem viel länger, oft schon ab März bis in den Mai hinein. Drei entzückende, aus einem überreichen Veilchengarten entwendete Pflanzen wurden hier vor Jahren in die freie Wildbahn des Gartens entlassen. Die Sorte „Albiflora“ blüht weiß, „Rubra“ in dunklem Altrosa, „Freckles“ ist lustig weiß-lila gesprenkelt.

Es gibt jedoch noch eine Menge weiterer Zuchtsorten, beispielsweise in Pink, Blassblau und sogar Apricot. Meine drei Grazien haben sich in der Zwischenzeit teppichartig ausgebreitet und auch viele bunt gemischte Kinderchen ausgesät. Die Ameisen haben das ihre dazu beigetragen, denn die Veilchen verteilen ihre zahlreichen Samen nicht nur mittels eines Schleudermechanismus, was man Ballochorie nennt. Sie verlocken die emsigen Helferinnen auch mit einem einzig zu diesem Zweck am Samen befindlichen und wohlschmeckenden Elaiosom. Die Ameisen verschleppen die Jausenpäckchen oft über weite Wege, naschen daran, lassen die Samen irgendwo liegen, und diesen häufig von Pflanzen angewandten Trick nennt man Myrmechorie.

Ameisen

Die Pfingstveilchen treiben jedoch auch kräftig und recht schnell Ausläufer, was sie zu einem ausgezeichneten Bodendecker für trockene und wenig geliebte Flächen macht, wie beispielsweise den Gehölzrand. Dort fühlen sie sich sogar besonders wohl, denn sie bevorzugen nicht zu feuchte Böden und Halbschatten, auch wenn sie die wärmende Abend- und Morgensonne lieben. In der Zwischenzeit sind aus den drei Sorten zahllose namenlose Hybride entstanden, mit weißen Rändern und lila geäderten Äuglein beispielsweise, und in den Blumenbeeten haben sich die ansonsten so geliebten Violen fast schon zu einer Plage entwickelt. Aber damit kann man recht gut leben. Am besten, man gräbt sie aus, wenn sie gerade abgeblüht sind, und setzt sie andernorts wieder ein. Oder man schenkt sie einfach weiter, jeder wird sich darüber freuen.

Insbesondere im 19. Jahrhundert stand das duftende Blümchen hoch im Kurs. Während der Herrschaft von Queen Victoria waren Veilchen eine der beliebtesten Modepflanzen. Züchter in Devon und Cornwall spezialisierten sich auf großblütige und besonders intensiv duftende Sorten, die als Schnittblumen oder für die Parfümindustrie verwendet wurden. Etwa die bekannte, stark riechende Sorte Königin Charlotte stammt in dieser Zeit. Auch im französischen Grasse, dem Zentrum der Parfumindustrie, waren Züchter um besonders intensiv duftende Sorten bemüht.

Auch die Kulinarik hat sich des Veilchens angenommen. Der Veilchenlikör, genannt Crème de Violette, soll eines der Lieblingsgetränke von Kaiserin Elisabeth gewesen sein, kandierte Veilchen eine ihrer Lieblingsnaschereien. Der Veilchenlikör war lange Zeit fast vergessen, erlebt gerade aber seine Renaissance als Zutat für allerlei lila gefärbte Cocktails. Das Veilchenkandieren erfolgt mittels Eischnee, feinem Pinsel und Staubzucker und ist eine Mühsal.

Man kann es sich aber auch einfacher machen. Wer diese besonders intensiv duftenden Veilchenblüten verwenden will, um einen zarten Veilchenessig herzustellen, wie die Franzosen das seit jeher tun, benötigt einen sehr milde Essig und einen Dessertwein. Im Fall der Säure wird traditionell der Champagner-Essig aus der Gegend um Reims empfohlen, der Dessertwein sollte ebenfalls eher dezent und nicht zu süß sein. Je 120 Milliliter werden mit etwa zehn Gramm Veilchenblüten in ein Glas gefüllt. Die Blüten müssen frisch gepflückt und natürlich von Stängeln und Blättern befreit sein. Auf keinen Fall darf man sie zuvor waschen. Logisch. Nach etwa zwei Wochen und nach täglichem sanften Durchschütteln ist der zarte Duftessig vollendet und wird abgeseiht und abgefüllt.


Viola
Die Gattung kommt vor allem auf der Nordhalbkugel vor, wo die diversen Veilchenarten in Wäldern und auf Wiesen gedeihen. Die meisten sind mehrjährig und sehr langlebig. Sie können bis zu 50 Jahre alt werden.

Stiefmütterchen
Viola tricolor, das Wilde Stiefmütterchen, ist fast so klein wie das Veilchen, und trotzdem hat man daraus das beliebte, vergleichsweise riesige Stiefmütterchen gezüchtet, das ebenfalls in zahllosen Sorten zu haben ist.

Schmetterlinge
Veilchenblätter sind bei manchen Schmetterlingsarten als Raupen-Futterpflanzen beliebt, etwa bei Großem- sowie Silberfleck-Perlmuttfalter und Kaisermantel und sind zudem eine wichtige Pollen- und Nektarpflanze, etwa für Wildbienen und Schwebfliegen.