Im trüben Wetter der vergangenen Woche tauchte auf der Wiese ein erster knallroter Punkt auf. Er leuchtete selbst durch den dichten Regen und gab den Beginn eines rauschenden Wiesenfests bekannt: Die Klatschmohn-Blüte kündigte sich an, und nun, eine Woche später, ist es bereits so weit. Überall Mohn, überall leuchtendes Rot und die zartesten Blüten, die man sich denken kann.

Der wilde Mohn Papaver rhoeas ist eine jener Pflanzen, die wirklich fast jeder kennt. Er ist unverwechselbar und einzigartig. Die Blüten lassen sich kaum einfangen, sie welken sofort, wenn man sie pflückt. Dabei ist die so zart wirkende Pflanze tatsächlich eine zähe Natur. Sie wächst fast weltweit auf trockenen, kalkhaltigen und gut besonnten Böden, bevorzugt jedoch auf der Nordhalbkugel, ist meist ein-, höchstens zweijährig und hat ihre Hauptblühzeit von Mai bis in den Juni.

Die Mohnblüte wirkt wie feinstes Seidenpapier, sie ist nicht von langem Bestand, höchstens ein, zwei Tage, dann welkt sie. Doch eine einzige Mohnpflanze treibt bis

zu 50 Blütenknospen und öffnet sie der Reihe nach, während in den abgeblühten Kapseln bereits die Samen ausreifen.

Und auch hier treibt es der Klatschmohn auf die Spitze. Eine einzige Mohnkapsel kann bis zu 1000 Samen enthalten. Die Schirmchen über den Öffnungen, aus denen die Samen rieseln, dienen als Windfang, damit sie beschleunigt ausgeblasen und verbreitet werden.

Für die Bienen stellt die Klatschmohnblüte eine wichtige Nahrungsquelle für die Fütterung ihrer Brut dar. Denn zwar trägt sie keinen Nektar, doch pro Blüte an die 2,5 Millionen Pollenkörner, ein Rekord, der nur von der Pfingstrose eingestellt wird. Wer den Klatschmohn in den Garten oder auf den Balkon holen will, sammelt ab August ein paar reife Samenkapseln und verstreut die Körnchen an geeigneter Stelle, denn verpflanzen lässt er sich nicht. Nicht mit Erde bedecken, der Mohn ist ein Lichtkeimer.