In den prachtvollen Dschungelwäldern Venezuelas und Kolumbiens ist eine Pflanze heimisch, die hierzulande als eine der beliebtesten und genügsamsten Zimmerpflanzen viele Liebhaberinnen und Liebhaber hat. Sie gedeiht ohne viel Zuwendung auch an recht schattigen, sogar an für die meisten anderen Zimmergewächse unerträglich finsteren Standorten – und diese Genügsamkeit ist auch einer der wichtigsten Gründe für ihre Beliebtheit. Darüber hinaus wird sie kaum je von Schädlingen befallen, und wenn sie sich einmal vernachlässigt fühlt, weil man vergessen hat sie zu gießen, lässt sie ihre sattgrün glänzenden Blätter zwar dramatisch hängen, als ob sie schon von uns gegangen wäre. Sie richtet sie jedoch sogleich wieder auf, wenn der labende Guss erfolgt ist und verzeiht die Missachtung. Und wenn sie nicht gar zu düster und zu dunkel steht, beschenkt sie ihr Pflegepersonal laufend mit hoch aufragenden, strahlend weißen Calla-Blüten. Das weiße Hochblatt, das den Blütenkolben erst umhüllt und dann gewissermaßen einrahmt, hat ihr den schönen Namen gegeben: Friedenslilie.

Spathiphyllum wird die Pflanze botanisch genannt, aber weil sie diese weißen Fahnen hochhält, scheint der Name Friedenslilie sehr passend. Frieden will man unbedingt haben. Lilienduft kann auch nicht schaden. Deshalb sollte jeder, der einer blühenden Friedenslilie begegnet, unbedingt die Nase ganz nah zum Kolben der Blüte stecken und sich an einem ganz besonderen Duft ergötzen. Abends wird er, wie bei weißen Blüten häufig üblich, stärker, bleibt jedoch zart, dezent und süß. Je nach Sorte und Pflanzenzustand kann das Parfum der Friedenslilie intensiver oder schwächer ausfallen, so genau lässt sich das nie sagen.

Angeblich ist die Friedenslilie eine jener Pflanzen, die dem Raumklima besonders zuträglich sind, weil sie über Blätter, aber auch Wurzeln Schadstoffe aus der Luft filtern können. Die mittlerweile berühmte Studie dazu wurde von der NASA vor Jahren angestellt. Randbemerkung dazu: Regelmäßiges Lüften hat sich immer noch als die wirksamere Methode für Frischluft erwiesen. Doch ein Spathiphyllum sorgt allein schon durch seinen Anblick für Wohlbehagen. Ein kleines Exemplar wanderte über viele Jahre von einem Schreibtisch zum anderen, es überlebte immerhin die Umzüge in drei Redaktionen. Irgendwann wurde es im Laufe eines Urlaubs von den zur Pflege angeheuerten Kollegen leider zu Tode gegossen.

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Apropos: Die Friedenslilie wächst unter den südamerikanischen Urwaldbäumen im Halbschatten, wo sie ihre Wurzeln in konstante Feuchtigkeit strecken kann. Diese will die Pflanze auch im Blumentopf vorfinden, weshalb sie regelmäßig, doch niemals staunass gegossen werden will. Bekommt sie braune Blattspitzen, hätte sie gerne höhere Luftfeuchtigkeit, doch wird sie daran nicht eingehen. Werden die Blätter gelb, ist das allerdings ein Warnsignal, denn dann hat man sie wahrscheinlich zu viel gegossen. Verweigert sie die Blüte, steht sie entweder zu dunkel oder es ist ihr zu kalt. Als Tropengewächs will das Spathiphyllum Temperaturen, die auch uns behagen, also angenehme Wärme.

Zu den diversen Sorten, von denen es erfreulich viele gibt: Die am häufigsten angebotene Art bekommt man in jedem Blumenladen und Grünmarkt. Sie ist mittelgroß, wird etwa 40 Zentimeter hoch und kostet gewöhnlich nur ein paar Euro. Die größeren Sorten sind wesentlich teurer, doch trotzdem eine Überlegung wert. Bis zu einem Meter hoch wächst etwa Mauna Loa, eine besonders blühfreudige Sorte, die noch dazu den Vorzug hat, die Blüten sehr lange zu tragen. Power Petite oder Piccolino heißt die winzigste Variante. Der Friedenslilienzwerg bleibt mit zwanzig Zentimetern eine reizende Petitesse.

Natürlich hat die Züchterwelt auch panaschierte Sorten hervorgebracht. Alle schön anzuschauen und in unterschiedlichen Größen erhältlich. Doch Achtung: Diese benötigen aufgrund des da und dort fehlenden Chlorophylls natürlich mehr Licht als die rein grünblättrigen Sorten. Domino beispielsweise ist mittelgroß und trägt lustige cremeweiße Streifen und Punkte im Laub. Und eine wahre Attraktion ist die Gigantin unter den Friedenslilien mit dem treffenden Namen Sensation, denn die wächst zu einer stattlichen Höhe von bis zu zwei Metern heran, trägt fantastisch gestreifte Blätter und besonders große Blüten. Die Pflanze erreichte Europa übrigens Anfang der 1870er-Jahre. Entdeckt wurde sie vom deutschen Botaniker und Pflanzensammler Gustav Wallis, nach dem sie auch benannt ist. Denn Spathiphyllum wallisii lautet die korrekte und vollständige botanische Bezeichnung.


Spathiphyllum.
Die Dschungelpflanze aus Venezuela und Kolumbien ist eine der verbreitetsten und beliebtesten Zimmerpflanzen überhaupt, denn sie verzeiht viele Pflegefehler, gedeiht auch im Schatten und ist demzufolge auch Anfängern und Schwarzen Daumen empfohlen.

Substrat.
Obwohl die Friedenslilie gerne in konstanter Feuchte wurzelt, kann bei zu häufigem, kräftigem Gießen die gefürchtete Wurzelfäule eintreten. Deshalb empfiehlt sich lockere, durchlässige Blumenerde, gemischt mit Sand oder Perlit.

Blüte.
Wenn sie gar zu dunkel steht, bildet die Friedenslilie kaum Blüten. Diese halten übrigens erfreulich lang, und wer sie, wenn sie dürr werden, abschneidet, fördert damit die Bildung neuer schöner Friedensfahnen.