Neben den weltbewegenden Ereignissen dieser Tage brachte der noch junge Frühling auch mehrere hocherfreuliche Geschehnisse im Kleinen mit sich. Man muss sie feiern, weil die Verdrießlichkeit hat noch keinem wirklich weitergeholfen. Deshalb wurde hier das plötzliche Gezwitschere und Geflöte aus der wilden Hecke vor dem Küchenfenster mit Freude wahrgenommen und gefeiert. Die Mönchsgrasmücke ist wieder da, und sie baut im alten Fliederstrauch ihr Nest wie schon im Vorjahr. Wunderbar. Das Vöglein hat die Reise aus dem Süden gut überstanden und singt das ganze Haus nieder, wenn die Fenster offenstehen.

Gerade einmal 20 Gramm wiegt der Federflausch. Seine Kleinen ernährt der Vogel mit proteinreichen Insekten und Larven. Suchet und findet, ihr Hübschen, und schon allein deshalb stört mich keine Laus und keine Raupe auf meinen Pflanzen, im Gegenteil, wenn ich könnte, würde ich Insekten züchten. In den kleinen Seerosenbecken im Hof beginnt es sich auch bereits zu regen. Die ersten Blätter sind bei genauer Betrachtung am Grund der Wannen sichtbar, allerdings tummeln sich auch schon die Gelsenlarven im Wasser.

Ich gebe zu, ich war kurz versucht, mich ihrer zu entledigen, aber dann fielen mir die demnächst zu erwartenden Schwalben ein und all die anderen Tiere, die Mücken fressen und hungrig sind. Libellen etwa, Mauersegler und Vögel wie die Grasmücken. Gut, ich werde ein Fliegengitter am Schlafzimmerfenster anbringen und die Gelsenkultur draußen in Frieden lassen. Auch weil die erste Fledermaus zum großen Entzücken in der Abenddämmerung über der Wiese zwischen den Baum- und Strauchzeilen ihre Kreise flog und nach der langen Winterruhe eine gute Stunde lang über dem Garten nach Nahrung jagte.

Sie flog hauptsächlich in der Gegend über und rund um den Teich, obwohl dort im Moment scheinbar noch wenig los ist, außer Frosch- und Krötenlaich und manch aufgewachtem Molch. Doch das interessiert Fledermäuse nicht. Sie suchen nach Insekten. Die kleinste hier heimische Fledermausart heißt denn auch Mückenfledermaus, und die kann in einer Nacht bis zu 3000 kleine Insekten, wie beispielsweise Gelsen erjagen und vertilgen.

In der Nähe des Teiches befindet sich die Stätte der Pflanzenjauchen. Dort gären die Brennnesseln und anderes Grünzeug in Wassertonnen vor sich hin, und das tägliche Umrühren offenbarte, dass sich wieder einmal auch jede Menge Fliegenlarven vom anfangs stinkenden, später düngenden Sud nähren. Erster Reflex: Kalk rein und ein Ende mit ihnen machen. Aber dann: Warum? Aus jeder Made wird ein Insekt. Vielleicht fliegt es hoch genug und wird von einer Fledermaus gefangen.

Ein paar Tage später gleich wieder ein Glücksmoment. Der vielleicht schönste Vogel unserer Breiten stocherte mit seinem langen gebogenen Schnabel in den Laubhaufen nach Futter. Ein Wiedehopf! Der Vogel ist gerade einmal so groß wie eine Amsel. Er hat eine besonders lange Reise hinter sich, denn seine Überwinterungsquartiere liegen südlich der Sahara. In Österreich gibt es rund 600 Brutpaare. Sie bevorzugen gewöhnlich wärmere Regionen, doch hier taucht er seit ein paar Jahren immer wieder auf. Auch dieser auffällige orange Kerl mit der charakteristischen Haube und den schwarz-weißen Bändern im Gefieder ernährt sich von Insekten, von Engerlingen, Heuschrecken, Maulwurfsgrillen.

Seit ein paar Jahren hängt im Garten der Nachbarn ein speziell für den Wiedehopf gezimmerter Brutkasten, und die Hoffnung besteht, dass ein Paar diesen Palast irgendwann einmal für würdig befindet und einzieht. Wir träumen von jungen Höpfen und stellen uns vor, wie wir bäuchlings in dezentem Abstand auf der Lauer liegen und ihnen bei den ersten Flugversuchen zuschauen. Die Nachbarin verlangt einen Liegestuhl, auch das würde sich mit einem Fernstecher ohne weiters machen lassen. Außerdem muss man sowieso Abstand halten.

Wenn sich Wiedehopfweibchen und Nestlinge angegriffen fühlen, spritzen sie ein stinkendes Sekret aus ihrer Bürzeldrüse, was den fast vergessenen Ausspruch, man stinke wie ein Wiedehopf erklärt. Darauf hoffen wir. Sie dürfen stinken, wie sie wollen. Der Wiedehopf brütet in Spechthöhlen, Mauerspalten und natürlich den entsprechend konstruierten Nistkästen, er legt wenig Wert auf kunstvolle Ausgestaltung, aber er braucht ein reiches Insektenangebot. Er findet es auf Streuobstwiesen, in Weinbergen, beweideten Wiesen und in Gärten ohne Gift.

Letzte Frohbotschaft: Beim Gießen des staubtrockenen Südhangs, wo die ersten Pflänzchen nach Wasser riefen, erfuhr eine recht große Schlingnatter ein für uns beide überraschendes Bad und verzupfte sich recht gemächlich zwischen den Steinen. Bleibt alle da bitte, ich tu alles für euch.


Grasmücken
Die kleinen Singvögel bevorzugen dichtes Gebüsch, Hecken, Waldränder, Auwälder, wo sie genug Nahrung finden. Weltweit gibt es etwa 25 bis 30 Arten, hierzulande brüten fünf Arten.

Fledermäuse
Sie sind die einzigen fliegenden Säugetiere Europas, in Österreich kommen rund 30 Arten vor, wobei die Zwergfledermaus eine der häufigsten ist. Viele Arten gelten als gefährdet und sind geschützt. Was sie brauchen, sind Insekten und Quartiere in Form von Höhlen aller Art. Es macht also Sinn, Fledermauskästen anzubringen.

Insekten
Sie sind die Basisnahrung all dieser wundervollen Kreaturen. Lasst eure Gärten ihr Lebensraum sein. Kein Gift, kein Säuberlichkeitswahn, die richtigen Pflanzen. Jeder Quadratmeter hilft.