Wer dieser Tage an einem Ahorn vorbeikommt, könnte kurz stehen bleiben und die Ohren spitzen. Sind genug Bienenstöcke in der Gegend, wird es darin summen und brummen, denn die weitgehend unbeachtete frühe Ahornblüte ist eine der wichtigsten Nahrungsquellen für die Imme. Jetzt herrscht Hochbetrieb in den Bienenstöcken, die Brut will aufgezogen und gefüttert werden. Sie braucht vor allem Pollen, die Arbeiterinnen brauchen wiederum Treibstoff in Form von Nektar, und beides spendet die nur vermeintlich unscheinbare Ahornblüte in reichem Maße.
Vor allem der heimische Berg-Ahorn gilt als Bienenweide erster Güte. Allerding fordert dieser schön gewachsene Solitär von einem Baum viel Platz. Er wächst sich zu einem bis zu 30 Meter hohen und zudem recht breiten Prachtstück aus und wird bis zu 600 Jahre alt. Doch die Gattung Acer ist vielgestaltig. Sie umfasst mindestens 150 Arten, aus denen die Gärtnerschaft wählen kann, wahrscheinlich sind es sogar noch mehr. Und wenn es um besonders hübsche Zierbäume geht, um solche mit aufregenden Blattformen und knalligen Blattfarben nicht nur im Herbst, so ist die Gattung der Ahorne wahrscheinlich unübertroffen.


Doch bleiben wir kurz noch bei der Blüte und deren Nutzen für die Insektenwelt. Bekanntlich ist die frühe Baumblüte, nicht zuletzt die der diversen Obstbäume, das Lebenselixier des Frühlings, und das ist, denkt man das kurz durch, auch völlig logisch. Angesichts eines einzigen blühenden Kirschbaums wird klar, dass hier an einem konzentrierten Ort eine Nahrungsoase steht, an der sich zahlreiche Insekten überreich bedienen können. Also pflanzt Obstbäume, nicht nur für die eigenen lukullischen Genüsse, sondern auch für die Biodiversität und für die Bienen.
Die Blüte der diversen Ahorne ist ebenso wichtig, wenn auch nicht in jedem Fall so auffällig. Aus der Ferne betrachtet ist sie meist sogar unscheinbar, doch spitzen Sie unter den unterschiedlichen Ahorn-Arten und Sorten nicht nur die Ohren, schärfen Sie auch die Sicht. Diese Blüten sind bei genauer Betrachtung faszinierende Gebilde, und sie sehen noch dazu von Art zu Art ganz unterschiedlich aus. Derzeit blüht etwa hier im Garten einer der japanischen Spitzahorne unter seinem frischen laubfroschgrünen Laub in einem recht aufregenden Bordeaux-Rot. Er steht übrigens geschützt im Schatten mehrerer alter Berg-Ahorne, weil der Großvater-selig eine gewisse Schwäche für diese Bäume hegte. Danke dafür!
Ihm verdanken wir neben unzähligen anderen Ahornen einen, der ebenfalls gerade in voller Blüte steht und eine der reizendsten Blütenformen bildet, und zwar der hierzulande nicht heimische, von Bienen, Schwebfliegen und anderen Insekten jedoch ebenso geschätzte Eschen-Ahorn. Er stammt aus Nordamerika und ist zweihäusig, sprich, es gibt männliche und weibliche Bäume. Während die weiblichen Blüten eher unscheinbar sind, bilden die Männer sehr attraktive hängende Büschel für ihren Pollen, die dunkelrot gefärbt sind. Der hiesige Eschen-Ahorn ist eindeutig ein Mann. Leider fehlt ihm die Frau in der Gegend, weshalb er sich trotz methusalemischen Alters nie vermehren konnte. Ich muss ihm heuer endlich eine Dame zur Seite stellen. Im Gegensatz zu all den anderen Ahornbäumen, die hier in großer Zahl wachsen, hat er sich in den vielen Jahrzehnten seines Lebens nie vermehrt. Im Gegensatz zu den meisten anderen, und das kann doch etwas mühsam werden.



Im Herbst legen die Bäume die bekannt knalligen Ahornfarben an und feiern den Beginn der Winterruhe, indem sie ihre hübschen Samenpropeller fliegen lassen. Die schwirren fröhlich kreiselnd in ungeheuren Massen durch die Lüfte, jeder Windstoß vertreibt sie weit durch die Gegend, vorzugsweise natürlich in Blumenbeete, Gemüsegärten, in Steinritzen und auf Wegränder. Die Ausfallsrate ist denkbar gering: Von hundert Ahornsamen scheinen hundert aufzugehen.
Auf manchem Quadratdezimeter Blumenrabatte darf man demzufolge im Folgejahr gerne zehn, zwölf Ahornschösslinge antreffen, die auf jeden Fall entfernt werden müssen. Jeder Minibaum, den man übersieht, wird bald ein kleines Bäumchen, das so tief wurzelt, dass man es kaum noch auszupfen kann. Dennoch bleibt der Ahorn ein Lieblingsbaum, und das großväterliche Sortiment wurde meinerseits durch die in unseren rauen Lagen nicht ganz so robusten, doch unverschämt schönen japanischen Varianten erweitert. Fächerahorn, Blutahorn, Schlitzahorn, Spitzahorn – die meisten Sorten bleiben zierlich klein und eignen sich deshalb auch für überschaubarere Gartenanlagen. Der Blick für das Kleine, nicht so Vordergründige, zahlt sich aus. Gerade jetzt im Frühling. Hach, endlich ist er da.

Ahorn
Die Fachwelt ist uneins darüber, wie viele Ahorn-Arten es weltweit gibt, zwischen 150 und 200 dürften es sein. Die Gattung Acer kommt nur auf der nördlichen Halbkugel vor. Wer den Blick für diese schönen Bäume schärft, wird ihnen allerorten begegnen.
Sirup
Wollen Sie Ahornsirup ernten, brauchen Sie den richtigen Baum dazu. Nur der in Nordamerika heimische Zucker-Ahorn Acer saccharum liefert den Saft, aus dem das Konzentrat gekocht werden kann.
Aberglauben
In früheren Zeiten schrieb man dem Ahorn Kräfte gegen Hexen und böse Geister zu, wessentwegen man Ahornholz beispielsweise gerne zur Herstellung von Stall- und Haustüren verwendete und Zapfen und Blöcke aus dem hellen Holz in Türschwellen schlug.