Wann genau die ersten Kamelien Europa erreicht haben, weiß keiner mehr. Briten und Portugiesen streiten bis heute darüber, wer die ersten Importeure waren. Die wahrscheinlichste Anekdote spielt eher den Engländern zu: Die wollten als alte Kolonialherren ihren Tee nicht länger in China kaufen, sondern lieber selbst anbauen. Da die Teepflanze ebenfalls eine Kamelie ist, jubelten die Chinesen den Engländern sicherheitshalber die hübsche, weniger schmackhafte Zier-Verwandte unter. Die trieb dann auf der Insel zwar niemals aromatische Teeblätter, doch diese berückend schönen Blüten, die Rosenblüten ähneln. Die zarten, wie aus feinem Porzellan geformten Kamelienblüten in Pastellfarben bis hin zu knalligem Rot sind die Pracht des Winters, und bei gutem Standort blühen sie bis zu sechs Wochen lang ununterbrochen vor sich hin, und schönere Blüten sah man selten.

Vorausgesetzt, die fantastisch schönen Asiatinnen werden richtig behandelt. Wer sie in warme, trockene Wohnzimmer holt, verurteilt sie unweigerlich zum Tode. Sie wollen vielmehr in der feuchten Kühle eines temperierten Glashauses angebetet werden, in kühlen Treppenhäusern, Schlafzimmern oder nicht zu sonnigen Wintergärten. In gedeihen die Pflanzen auch im Freien bestens. Sie vertragen leichten Frost, das gefällt ihnen sogar. Die Blüten brauchen Kälte, um sich zu öffnen. Es gibt auch winterharte Sorten, die bis zu minus zehn Grad vertragen. Ein saures Substrat, spezielle Dünger, kalkfreies Gießwasser und nie austrocknende Wurzelballen runden das Kamelien-Pflegeprogramm ab. Wenn Sie also über zwar lichte, jedoch nicht sonnige und auf jeden Fall kühle bis kalte Räume verfügen, holen Sie sich diese Pflanzen nach Hause. Sie zählen garantiert zum Schönsten, das der Winter zu bieten hat.